30.08.2011 | VC-Magazin

„Der unternehmerische Gedanke steht im Vordergrund“

Interview mit Nicolai von Engelhardt, Thomas Etzel und Dr. Thomas Hoch

Schuldenkrise und Konjunkturängste hin oder her – der deutsche Mittelstand ist gut aufgestellt und wird in den kommenden Jahren prosperieren. Gerade unternehmerisch denkenden Privatinvestoren bieten sich hier große Chancen, sind sich Nicolai von Engelhardt, Thomas Etzel und Dr. Thomas Hoch sicher. Die Manager der Co-Investor AG, der BHF-Bank und von EVP Capital legen gemeinsam einen Fonds auf, der vermögenden Privatanlegern die Möglichkeit bieten soll, gemeinsam mit dem Investorennetzwerk der Co-Investor AG Beteiligungen einzugehen. Was das Netzwerk auszeichnet und auf welche Resonanz der Fonds bislang gestoßen ist, berichten Sie im Gespräch mit Susanne Gläser und Mathias Renz.

VC Magazin:
Im April haben Co-Investor AG und BHF-Bank mit dem „Mittelstand Co-Investment Portfolio“ ein neues Beteiligungsangebot für Privatinvestoren geschaffen. Wie wollen Sie private Anleger von einem Engagement in Private Equity überzeugen?

Etzel:
Anleger, die in unseren Fonds investieren, profitieren von drei wesentlichen Faktoren: In Zeiten volatiler Börsen und unsicherer Wirtschaftsprognosen sind Investitionen in Sachwerte nachhaltige Bausteine im Portfolio. Ein Investment in Private Equity ist außerdem eine unternehmerische Beteiligung, der Anleger begleitet mittel- bis langfristig den Weg eines Unternehmens und profitiert davon. Im Falle unseres Fonds setzt er zudem auf den deutschen Mittelstand – und der hat in den vergangenen Jahren immer wieder bewiesen, dass seine Konzepte unabhängig von Konjunkturzyklen erfolgreich umgesetzt werden können.

Hoch:
Im Auf und Ab der Börsenkurse wird oft übersehen, dass der deutsche Mittelstand höchst profitabel ist. Die Unternehmen sind sicher durch die Finanzkrise gesteuert, die Auftragsbücher sind voll, es gibt auch wieder Kaufanfragen durch größere Konzerne. Wir haben hier sehr gute Jahre vor uns.

VC Magazin:
Wie war die Resonanz auf das neue Produkt bislang? Welches Interesse konnten Sie bei Privatinvestoren für die Assetklasse ausmachen?

Etzel:
Die Platzierung ist ein voller Erfolg. Bereits sechs Wochen nach dem Vertriebsstart im Juni gab es ein erstes Closing in Höhe von 10 Mio. EUR. Angestrebt sind 25 Mio. EUR. Das Kapital fließt dann in einen Topf, in den die Aktionäre der Co-Investor AG noch einmal 25 Mio. EUR einzahlen und der von weiteren Privatinvestoren aus unserem Netzwerk komplettiert wird. Insgesamt wollen wir ein Volumen von 100 Mio. EUR erreichen, das dann in mittelständische Unternehmen aus der deutschsprachigen Region investiert wird.

Von Engelhardt:
Wir stellen großes Interesse bei unserer Zielgruppe fest: vermögende Privatleute oder Familien bzw. Family Offices, die eine Affinität für Unternehmertum und Mittelstand haben. So kam auch die Idee für den Fonds überhaupt erst zustande: Viele der Investoren, die sich bereits zusammen mit der Co-Investor AG an Unternehmen beteiligt hatten, haben sich eine Fondslösung gewünscht, um den persönlichen Aufwand zu verringern. Da reifte die Idee, mit der BHF-Bank zusammenzuarbeiten, deren Kunden die gleichen Interessen haben wie die Personen aus unserem Netzwerk.

VC Magazin:
In den vergangenen Monaten lief der Vertrieb von Beteiligungsangeboten für Privatanleger branchenweit eher schleppend. Wie erklären Sie Ihren bisherigen Erfolg?

Hoch:
Unser Angebot richtet sich mit einer Mindestbeteiligungssumme von 500.000 EUR schon eher an einen exklusiveren Anlegerkreis. Das kann man kaum mit klassischen Retail-Produkten vergleichen. Außerdem steht bei uns der unternehmerische Gedanke im Vordergrund: Wir erwerben in der Regel qualifizierte Minderheitsbeteiligungen und überlassen bewusst dem Unternehmer die Hauptverantwortung. Wir machen keine Finanzierungen mit Leverage, uns geht es darum, den Unternehmenswert durch operative Verbesserungen zu steigern, nicht durch Rechenspielchen.

Etzel:
Unser Produkt hat außerdem einen weiteren entscheidenden Vorteil gegenüber den üblichen Dachfonds, die Privatanleger meist zur Auswahl haben: Durch das Direktbeteiligungsmodell wird das Geld der Anleger schnell investiert. Bei Dachfondskonzepten dauert es Jahre, bis überhaupt erste Unternehmensbeteiligungen getätigt werden. Die Laufzeit beträgt oft zwölf bis 15 Jahre – Privatanleger planen aber nicht so lange. Die Welt ist heute schnelllebiger geworden, das gilt auch für die Private Equity-Branche.

VC Magazin:
Sie gehen als Investorennetzwerk Direktinvestitionen ein. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Von Engelhardt:
Die Co-Investor AG wurde im Jahr 2000 von Privatleuten gegründet, um gemeinsam unternehmerische Beteiligungen einzugehen. Das Engagement der Aktionäre ist auch heute noch wesentlich: Bei jeder Direktinvestition stellen Mitglieder des elfköpfigen Aktionärskreises aus ihrem privaten Vermögen 10 bis 30% der Beteiligungssumme zur Verfügung. Anschließend laden wir Privatinvestoren aus unserem Netzwerk ein, sich ebenfalls zu beteiligen. Die Betonung liegt hier auf dem Wort Einladung: Bei einer so engen Zusammenarbeit muss man sich untereinander gut kennen und sich vertrauen können. Wir haben mittlerweile einen Kreis von rund 100 Personen aus dem deutschsprachigen Raum, mit dem wir gemeinsame Investments eingehen.

VC Magazin:
Das Konzept, Privatinvestoren für gemeinsame Investments zusammenzubringen, verfolgen auch Business Angels-Netzwerke. Wo liegt der Unterschied zu Ihrem Ansatz?

Von Engelhardt:
Der Begriff des Business Angels ist mit einem Engagement in einer sehr frühen Phase des Unternehmertums verbunden. Die Angels steigen klassischerweise in der Seed-Phase eines Start-ups ein und gehen damit auch ein sehr hohes Ausfallrisiko ein. Wir investieren dagegen nur in mittelständische Unternehmen mit positivem Cashflow, was ein ganz anderes Chancen-Risiko-Profil bedeutet. Außerdem übernehmen wir die Verhandlung und Strukturierung der Deals, was unseren Mitinvestoren einigen Aufwand erspart. Business Angels steigen auch hier in einer früheren Deal-Phase ein.

VC Magazin:
Was dürfen wir in den kommenden Monaten von Ihnen erwarten?

Etzel:
Parallel zum weiteren Fundraising wollen wir bereits den Aufbau des Portfolios in Angriff nehmen. In den kommenden 18 bis 24 Monaten sollen die ersten Beteiligungen abgeschlossen sein.

VC Magazin:
Vielen Dank für das Gespräch!


Zu den Gesprächspartnern:

Nicolai von Engelhardt ist geschäftsführender Gesellschafter der Co-Investor AG. Die Gesellschaft geht als Investorennetzwerk Direktbeteiligungen an mittelständischen Unternehmen im deutschsprachigen Raum ein.

Thomas Etzel ist Managing Director bei der BHF-Bank. Gemeinsam mit der Co-Investor AG hat das Institut den Privatanlegerfonds „Mittelstand Co-Investment Portfolio“ initiiert.

Dr. Thomas Hoch ist Vorstand der EVP Capital Management AG, die als 100%ige Tochter der Co-Investor AG den Fonds verwaltet und für die Entwicklung der Beteiligungen zuständig ist.


(Quelle: Venture Capital Magazin / Ausgabe September 2011)

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