02.09.2011 | VDI-Nachrichten

Privatfinanziers für junge Mittelständler

Mittelstandsfinanzierung: Die Co-Investor AG stellt Minderheitsbeteiligungen durch vermögende Privatleute auf die Beine. In der Regel handelt es sich bei den Investoren um Unternehmer. Neben Kapital bringen sie Know-how unterschiedlichster Branchen in das Netzwerk ein. Anders als Business Angels konzentriert sich das Unternehmen auf Wachstumsfinanzierungen gereifter Start-ups.

"Wir beteiligen uns mit unseren privaten Vermögen an mittelständischen Unternehmen", sagt Nicolai von Engelhardt, geschäftsführender Gesellschafter der Co-Investor AG. Das Unternehmen mit Sitzen in Zürich und Frankfurt identifiziert Beteiligungsprojekte und organisiert die Finanzierungen. Dabei investiert sowohl der engste Gesellschafterkreis als auch ein erweitertes Netzwerk aus knapp 100 vermögenden Privatleuten.

"In der Regel sind das ehemalige oder noch aktive Unternehmer, die neben ihrem Kapital jede Menge unternehmerische und branchenbezogene Erfahrungen sowie Kontakte einbringen", sagt er.

Als ein Netzwerk von Business Angels sieht von Engelhardt die Co-Investor AG aber nicht. Denn während Engel typischerweise in sehr frühen Gründungsphasen mit eher geringem Geldeinsatz einsteigen, beteiligen sich die Co-Investoren erst, wenn Start-ups schon das Laufen gelernt haben. "Die zentralen Voraussetzungen für eine Beteiligung sind überzeugende Unternehmerpersönlichkeiten, positiver Cash-Flow und eine klare Wachstumsperspektive", stellt er klar. Diese könne sowohl in internationaler Expansion, in Akquisitionen oder auch der Entwicklung neuer Märkte über Spin-offs eines etablierten Unternehmens bestehen.

Sind die Voraussetzungen gegeben, und übersteht das junge Unternehmen die Due Dilligence durch das zehnköpfige Mitarbeiterteam der Co-Investor AG, stellt dieses eine qualifizierte Minderheitsbeteiligung von mindestens 25,1 % auf die Beine. Je nach Projekt fließen dabei zwischen 5 Mio. € und 50 Mio. €, zu denen der Aktionärskreis der AG jeweils 10 % bis 30 % beisteuert. Dieser Kreis setzt sich aus elf unternehmerischen Köpfen um Co-Investor-Gründer Hans-Dieter Rompel zusammen, die jeweils ihr privates Vermögen investieren.

"Dass wir unser Geld einsetzen, bewirkt zweierlei", berichtet von Engelhardt. Einerseits schaffe es Vertrauen im erweiterten Investorennetzwerk, wenn sich die Vermittler mit ins Risiko begeben. Zum anderen steige die Motivation, die jungen Portfoliounternehmen so gut wie irgend möglich zu unterstützen, sie mit Kontakten zu etwaigen Kunden oder Partnern im In- und Ausland zu versorgen oder sie in schwierigen Marktsituationen an der geballten unternehmerischen Erfahrung des Netzwerks teilhaben zu lassen, erklärt er.

Vor dem Einsatz privater Mittel mache man sich außerdem mehr Gedanken darüber, wie und wann diese zurückfließen. "Schon bevor wir uns an einem Unternehmen beteiligen, spielen wir mit den Gründern Exit-Strategien durch", erläutert von Engelhardt. Gegenseitige Transparenz sei für den Einsatz von Privatvermögen unabdingbar.

Deshalb legt die Co-Investor AG auch ein übersichtliches Beteiligungsmodell zugrunde. Das eingesammelte Kapital wird jeweils über eigens gegründete GmbH & Co. KGs in die jungen Unternehmen eingebracht. Das schafft nicht nur (steuerliche) Transparenz für die meist fünf bis zehn, maximal jedoch zwanzig Investoren pro Projekt. Die Installation der Vorschaltgesellschaft gibt auch den Gründern Sicherheit, dass ihre privaten Geldgeber nicht plötzlich kollektiv auf ihren Gesellschafterversammlungen mitreden wollen.

Das widerspräche allerdings auch der Grundidee der Co-Investoren. "Wir investieren ja bewusst in mittelständische Unternehmerteams, weil wir an sie glauben", bekräftigt von Engelhardt. Da wäre es absurd, ihnen bei jeder unternehmerischen Entscheidung rein zu regieren. Ganz verzichten die Privatfinanziers aber nicht auf Einflussmöglichkeiten. Co-Investor beansprucht sowohl Sitze im Beirat der Unternehmen sowie Mitspracherechte im Investorenkreis.

Grundsätzlich streben die privaten Investoren einen Exit nach drei bis sieben Jahren an. "Diese Spanne lässt genügend Zeit für die Entwicklung der Unternehmen und der Wertsteigerung unserer Anteile", so von Engelhardt.

Als Renditeziel gebe man 10 % bis 12 % aus. "Wir setzen hier bewusst niedrig an, weil wir ein Interesse an der gesunden Entwicklung der Unternehmen haben, in die wir investieren", sagt er. Und da der Investitionsfokus auf traditionellen mittelständischen Branchen liege, würden auch die Investoren mit sehr realistischen Wachstumserwartungen an die Projekte herangehen.

Das Co-Investor-Netzwerk selbst ist ebenfalls in ständigem Wachstum. Potenzielle Mitinvestoren sind willkommen. Dabei haben sie die Wahl zwischen Direktinvestitionen ab 500 000 € aufwärts oder der Beteiligung an einem entsprechenden Fonds. Diesen legt die Co-Investor Tochter EVP Capital in Kooperation mit der BHF-Bank auf, um zwischen 10 % und 50 % der Beteiligungssumme an den ausgewählten Unternehmen einzusammeln.

Wer investiert, finanziert über Gebühren und Erfolgsbeteiligungen auch den Apparat der AG. Die Gebühr richtet sich nach der Höhe des Investments - liegt aber unter 2 % der eingesetzten Summe.

Bleibt die Frage, wie interessierte Mittelständler und Co-Investor AG zusammen finden. "In der Regel bekommen wir Hinweise auf spannende Beteiligungsmöglichkeiten aus unserem Netzwerk", erklärt der Geschäftsführer. Aber auch Kontaktaufnahme von Seiten der Unternehmen sei willkommen. "Uns ist dann in erster Linie wichtig, die Unternehmer persönlich zu treffen und ins Gespräch zu kommen", stellt er klar. Denn wenn sich dabei keine gemeinsame Wellenlänge ergebe, brauche man die Due Dilligence gar nicht erst zu beginnen. "Wir wollen partnerschaftlich zusammen arbeiten und den Unternehmen mit unseren Erfahrungen und Netzwerken so gute Entwicklungsmöglichkeiten wie irgend möglich schaffen."

(Quelle: VDI-NAchrichten, 02.09.2011 von Peter Trechow)

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